Das Wichtigste in Kürze
- Ein Östrogenmangel tritt häufig in den Wechseljahren auf, kann aber auch jüngere Frauen betreffen.
- Typische Beschwerden sind Hitzewallungen, Zyklusstörungen, Scheidentrockenheit, Schlafprobleme und Stimmungsschwankungen.
- Die Diagnose basiert meist auf den Beschwerden. Hormonmessungen sind nur in bestimmten Fällen notwendig.
- Mögliche Behandlungen reichen von Hormonersatztherapie über nicht-hormonelle Optionen bis hin zu Lebensstilmaßnahmen. Ziel ist es, Beschwerden zu lindern und langfristigen Risiken wie Osteoporose vorzubeugen.
Was ist Östrogen?
Östrogene gehören zu den wichtigsten weiblichen Geschlechtshormonen. Sie werden vor allem in den Eierstöcken gebildet und steuern die Entwicklung der Geschlechtsorgane, den Zyklus und die Fruchtbarkeit. Darüber hinaus beeinflussen sie auch Knochenstoffwechsel, Cholesterinspiegel und das Gefäßsystem.
Es gibt drei Hauptformen [1-3]:
- Östradiol (E2) – dominiert in den fruchtbaren Jahren
- Östron (E1) – wird nach der Menopause wichtiger
- Östriol (E3) – spielt vor allem während der Schwangerschaft eine Rolle
In den Wechseljahren nimmt die Produktion von Östradiol deutlich ab, während Östron an Bedeutung gewinnt. Die hormonelle Umstellung kann vielfältige körperliche und psychische Veränderungen mit sich bringen. [1-3]
➚ Hier erfährst du mehr über die Rolle von Östrogenen in den Wechseljahren.
Was bedeutet Östrogenmangel?
Von einem Östrogenmangel spricht man, wenn der Körper dauerhaft zu wenig Östrogen produziert, also deutlich unterhalb der üblichen zyklusbedingten Schwankungen. Am häufigsten tritt ein solcher Mangel in den Wechseljahren auf, wenn die Eierstöcke ihre Hormonproduktion schrittweise einstellen.
Ein Östrogenmangel kann jedoch auch bei jüngeren Frauen vorkommen, z. B. in Folge hormoneller Störungen oder medizinischer Eingriffe. In diesen Fällen kann er die Fruchtbarkeit, die Zyklusregulation oder die körperliche Entwicklung beeinträchtigen. [1, 4, 5]
Ursachen: Warum entsteht ein Östrogenmangel?
Die häufigste Ursache für einen Östrogenmangel ist die natürliche hormonelle Umstellung in den Wechseljahren. Mit zunehmendem Alter nimmt die Aktivität der Eierstöcke ab, die Hormonproduktion geht schrittweise zurück.
Daneben gibt es weitere mögliche Auslöser[1, 3-5]:
Medizinische Ursachen
- Operative Entfernung der Eierstöcke
- Schädigung der Eierstöcke durch Chemotherapie oder Bestrahlung
- Vorzeitige Menopause (primäre Ovarialinsuffizienz, < 40 Jahre)
- Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), die die Hormonsteuerung beeinflusst
- Medikamente, die die Hormonproduktion unterdrücken (z. B. bei Brustkrebs)
Lebensstilbedingte Faktoren
- Essstörungen wie Anorexie oder Bulimie
- Starke Gewichtsabnahme oder Unterernährung
- Übermäßiger Sport bei niedrigem Körperfettanteil
- Chronischer Stress
Weitere mögliche Auslöser
- Genetische Ursachen
- Verzögerte Pubertät (Pubertas tarda)
Symptome: Wie zeigt sich ein Östrogenmangel?
Ein Östrogenmangel kann sich durch viele verschiedene körperliche und psychische Beschwerden äußern. Die Symptome hängen oft vom Lebensalter, der Lebensphase und dem individuellen Hormonspiegel ab. [1, 3-9]
Zyklusveränderungen und erste Anzeichen
- Unregelmäßige oder ausbleibende Regelblutungen
- Schlafstörungen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit
Hitzewallungen und vasomotorische Beschwerden
- Hitzewallungen und nächtliche Schweißausbrüche
- Herzrasen oder plötzliches Kältegefühl
Urogenitale Symptome (genitourinäres Syndrom)
- Scheidentrockenheit, Juckreiz, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Häufige Harnwegsinfekte, Reizblase, Harndrang
Psychische Symptome
- Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Ängste
- Konzentrationsstörungen, „Brain Fog“, Libidoverlust
Weitere körperliche Veränderungen
- Trockene Haut, Haarausfall, Gelenkbeschwerden
- Rückgang der Knochendichte, erhöhtes Osteoporoserisiko
Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-System
- Gewichtszunahme, vor allem im Bauchbereich
- Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Unterschied Wechseljahrsbeschwerden und Östrogenmangel
Ein Östrogenmangel ist eine häufige Ursache für Beschwerden in den Wechseljahren – aber nicht die einzige. Auch andere Faktoren wie Stress, Schilddrüsenerkrankungen oder Schlafmangel können ähnliche Symptome auslösen. Deshalb ist eine individuelle ärztliche Abklärung wichtig, bevor eine Behandlung begonnen wird.
Diagnose des Östrogenmangels
Die Diagnose beginnt in der Regel mit einem ärztlichen Gespräch über deine Beschwerden und deine medizinische Vorgeschichte (Anamnese). Eine körperliche Untersuchung kann zusätzliche Hinweise geben. Blutuntersuchungen zur Bestimmung von Hormonspiegeln (z. B. Östradiol und FSH) sind möglich, aber nicht immer notwendig. Bei Frauen im typischen Alter für die Wechseljahre reicht oft das klinische Bild aus.
Die S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause empfiehlt eine Hormonbestimmung nur in bestimmten Fällen, z. B. bei Frauen unter 45 mit Wechseljahresbeschwerden oder bei Verdacht auf eine vorzeitige Menopause. Wichtig ist außerdem, andere mögliche Ursachen für die Beschwerden auszuschließen, zum Beispiel eine Schilddrüsenfunktionsstörung. [4, 5, 10, 11].
Östrogenmangel: Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung richtet sich nach deinen Beschwerden, deiner Lebenssituation und möglichen Risikofaktoren. Ziel ist es, Symptome zu lindern und langfristige Folgen – etwa für Knochen und Herz – zu vermeiden. Die Therapieentscheidung wird individuell getroffen [2, 3, 5, 9, 11-14].
Hormonersatztherapie (HRT)
Die HRT gilt als wirksamste Option bei ausgeprägten Beschwerden. Östrogene können in Form von Tabletten, Pflastern, Gelen oder lokal als Creme oder Zäpfchen angewendet werden. Bei Frauen mit intakter Gebärmutter wird zusätzlich ein Gestagen gegeben, um die Gebärmutterschleimhaut zu schützen. Die HRT kann Hitzewallungen lindern, urogenitale Beschwerden bessern und Osteoporose vorbeugen.
Die Entscheidung für oder gegen eine HRT hängt vom persönlichen Nutzen-Risiko-Verhältnis ab. Es gilt: so niedrig dosiert und so kurz wie möglich, aber so lange wie nötig.
Nicht-hormonelle medikamentöse Optionen
Wenn eine HRT nicht infrage kommt, können bestimmte Medikamente helfen, wie Antidepressiva oder Gabapentin bei Hitzewallungen. Sie gelten nicht als erste Wahl, können aber eine Alternative sein. Bei Osteoporose kommen Medikamente wie Bisphosphonate zum Einsatz.
Lebensstil und ergänzende Maßnahmen
- Ernährung
Kalzium- und Vitamin-D-reiche Kost unterstützt die Knochengesundheit. Phytoöstrogenreiche Lebensmittel (z. B. Soja oder Leinsamen) können ergänzend erwogen werden, ihre Wirkung ist jedoch nicht eindeutig belegt.
➚ Mehr zur Ernährung findest du im Artikel Ernährung in den Wechseljahren. - Bewegung
Regelmäßige Bewegung wirkt sich positiv auf Knochendichte, Stimmung und Stoffwechsel aus. - Stressabbau
Entspannungsverfahren wie Yoga, Meditation oder Atemübungen können das Wohlbefinden fördern.
Pflanzliche und komplementäre Ansätze
Präparate aus Rhapontikrhabarber und Traubensilberkerze können Hitzewallungen lindern. Auch Rotklee wird häufig genutzt. Dessen Wirkung ist wissenschaftlich jedoch nicht eindeutig belegt. Eine ärztliche Rücksprache ist empfehlenswert.
Behandlung urogenitaler Beschwerden
Lokal angewendete Östrogene (Cremes, Zäpfchen) sind bei Scheidentrockenheit besonders wirksam. Hormonfreie Alternativen wie Feuchtigkeitscremes oder Gleitmittel können ergänzen. In bestimmten Fällen ist auch eine vaginale Lasertherapie möglich. Für diese Behandlungsform fehlen jedoch noch aussagekräftige Studien.
Langfristige Gesundheitsrisiken bei Östrogenmangel
Ein anhaltender Östrogenmangel kann das Risiko für bestimmte Erkrankungen erhöhen, vor allem nach der Menopause. Zu den wichtigsten langfristigen Folgen zählen [1, 3-5, 7]:
- Knochenschwund (Osteoporose): Östrogene tragen zur Aufrechterhaltung der Knochendichte bei. Ein Mangel kann zu einem beschleunigten Abbau der Knochensubstanz führen und damit das Risiko für Knochenbrüche erhöhen.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Ein Östrogenmangel kann sich negativ auf Blutgefäße und Cholesterinwerte auswirken. Das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall steigt damit an.
- Chronische urogenitale Beschwerden: Scheidentrockenheit, Reizblase oder wiederkehrende Infektionen können ohne Behandlung bestehen bleiben oder zunehmen.
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und ein gesunder Lebensstil tragen dazu bei, diesen Risiken frühzeitig zu begegnen.
Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist
Ein Östrogenmangel muss nicht immer behandelt werden. Dennoch ist eine ärztliche Abklärung in bestimmten Situationen wichtig, um andere Ursachen auszuschließen und passende Therapien zu finden.
Du solltest ärztlichen Rat einholen, wenn:
- deine Wechseljahresbeschwerden stark ausgeprägt sind und die Lebensqualität einschränken
- unregelmäßige oder ungewöhnliche Blutungen auftreten
- anhaltende urogenitale Beschwerden bestehen (z. B. Scheidentrockenheit, Brennen, Harndrang)
- du unsicher bist und eine individuelle Beratung zu Behandlungsoptionen wünschst
Ein vorbereitendes Symptomtagebuch kann helfen, Veränderungen besser einzuordnen und das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt zu erleichtern [3, 7, 9].
Östrogenmangel erkennen und gezielt handeln
Ein Östrogenmangel kann viele Beschwerden verursachen, besonders in den Wechseljahren. Gleichzeitig gibt es gute Möglichkeiten, um Symptome zu lindern und langfristige Risiken zu reduzieren. Wichtig ist, Beschwerden ernst zu nehmen und offen mit deinen behandelnden Ärzt:innen zu besprechen. Ob eine Behandlung notwendig ist und welche Form geeignet ist, hängt von deiner persönlichen Situation ab.
Mit fundierter Information, einem gesunden Lebensstil und medizinischer Begleitung lässt sich diese Phase aktiv und selbstbestimmt gestalten.
Quellen
[1] Pschyrembel Online. (2023). Östrogene. https://www.pschyrembel.de/Östrogene/K0FM8
[2] Santen, R. J. (2024). Menopause. MSD Manual – Ausgabe für medizinische Fachkreise. https://www.msdmanuals.com/de/profi/gynäkologie-und-geburtshilfe/menopause/menopause
[3] Universitätsspital Zürich (USZ). (2025, 17. April). Östrogenmangel. https://www.usz.ch/krankheit/oestrogenmangel/
[4] Bundesministerium für Gesundheit. (2023, 3. Februar). Wechseljahre. gesund.bund.de. https://gesund.bund.de/wechseljahre
[5] Shifren, J. L., & Gass, M. L. S. (2014). The North American Menopause Society recommendations for clinical care of midlife women. Menopause, 21(10), 1038–1062. https://doi.org/10.1097/GME.0000000000000319
[6] Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). (2024, Oktober). Mögliche Beschwerden in den Wechseljahren. Frauengesundheitsportal. https://www.frauengesundheitsportal.de/themen/wechseljahre/moegliche-beschwerden-in-den-wechseljahren
[7] Stiftung Gesundheitswissen. (2021, 30. Dezember). Den Nutzen von Bewegung kennen. https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/wissen/mehr-bewegung-aber-wie/den-nutzen-von-bewegung-kennen
[8] Mayo Clinic. (2023, 22. August). Menopause. https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/menopause/symptoms-causes/syc-20353397
[9] Berufsverband der Frauenärzte e.V. (BVF), & Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG). (o. D.). Hormonersatztherapie (HRT). Frauenärzte im Netz. https://www.frauenaerzte-im-netz.de/koerper-sexualitaet/wechseljahre-klimakterium/hormonersatztherapie-hrt/
[10] The North American Menopause Society (NAMS). (2022). The 2022 hormone therapy position statement of The North American Menopause Society. Menopause, 29(7), 767–794. https://doi.org/10.1097/GME.0000000000002028
[11] Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). (2020). S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen (AWMF-Registernummer 015/062). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-062
[12] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). (2023, 2. Januar). Wechseljahrsbeschwerden. Gesundheitsinformation.de. https://www.gesundheitsinformation.de/wechseljahrsbeschwerden.html
[13] Mension, E., Alonso, I., Tortajada, M., Matas, I., Gómez, S., Ribera, L., Anglès, S., & Castelo-Branco, C. (2022). Vaginal laser therapy for genitourinary syndrome of menopause – systematic review. Maturitas, 156, 37–59. https://doi.org/10.1016/j.maturitas.2021.06.005
[14] Wolf, E. (2023, 6. März). Die pflanzlichen Alternativen. Pharmazeutische Zeitung. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/die-pflanzlichen-alternativen-138745/

