Gewichtszunahme in den Wechseljahren

Person steigt auf eine Waage
Viele Frauen bemerken in den Wechseljahren eine langsame, aber stetige Gewichtszunahme – oft ohne ihr Verhalten verändert zu haben. Diese körperliche Veränderung kann verunsichern. Doch sie ist erklärbar, meist hormonell bedingt – und du bist damit nicht allein. 

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • In den Wechseljahren nehmen viele Frauen an Gewicht zu – meist zwischen 0,25 und 1,5 kg pro Jahr.
  • Ein sinkender Östrogenspiegel verlangsamt den Stoffwechsel und verändert die Fettverteilung.
  • Bauchfett nimmt zu und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes.
  • Auch Muskelabbau, Bewegungsmangel und Schlafprobleme fördern die Zunahme.
  • Die Veränderungen können körperlich und seelisch belasten – sind aber medizinisch gut erklärbar.

Wie häufig ist eine Gewichtszunahme in den Wechseljahren?

Mehr als jede zweite Frau nimmt während der Wechseljahre zu – im Durchschnitt zwischen 0,25 und 1,5 Kilogramm pro Jahr. Insgesamt können sich so bis zur Menopause bis zu 10 Kilogramm ansammeln – vor allem am Bauch und am Oberkörper. Diese Zunahme ist nicht ungewöhnlich, sondern ein häufiges, hormonell erklärbares Phänomen. [1, 2, 3]

Ursachen für die Gewichtszunahme

1. Hormonelle Veränderungen

Die hormonelle Umstellung zählt zu den zentralen Ursachen der Gewichtszunahme. Der Östrogenspiegel sinkt kontinuierlich – und das hat weitreichende Folgen:

  • Östrogen reguliert den Energieverbrauch. Sinkt der Spiegel, verringert sich auch der Grundumsatz. Der Körper benötigt weniger Kalorien.
  • Östrogen beeinflusst das Hunger- und Sättigungsgefühl. Studien zeigen, dass niedrige Östrogenspiegel mit einem stärkeren Hungergefühl einhergehen [2].
  • Fettverteilung verschiebt sich. Während Fett vorher eher an Hüfte und Oberschenkeln gespeichert wurde (gynoide Verteilung), begünstigt der Östrogenmangel eine sogenannte androide Fettverteilung – eine stärkere Einlagerung von Fett im Bauchraum (viszerales Fett)  [4].
  • Testosteron gewinnt an relativer Wirkung. Obwohl die absolute Menge kaum steigt, hat Testosteron durch den relativen Östrogenmangel einen stärkeren Einfluss auf Stoffwechsel und Körperzusammensetzung. Dies fördert Fettansammlungen am Rumpf [2, 6].

2. Verlust an Muskelmasse

Ab dem 30. Lebensjahr nimmt die Muskelmasse kontinuierlich ab – ein Prozess, der sich in den Wechseljahren beschleunigt. Weniger Muskulatur bedeutet auch einen niedrigeren Energieverbrauch. Ohne gezieltes Krafttraining und bewusste Ernährung entsteht so leicht ein Kalorienüberschuss. [2, 11]

3. Insulinresistenz

Der Östrogenmangel beeinflusst den Kohlenhydratstoffwechsel. Die Insulinsensitivität nimmt ab, was zu einer erhöhten Insulinausschüttung führen kann – ein Zustand, der die Fetteinlagerung und insbesondere die viszerale Fettansammlung fördert. Langfristig erhöht sich das Risiko für Diabetes Typ 2. [4, 12]

4. Veränderungen im Mikrobiom

Ein neuer Forschungsansatz zeigt: Auch die Zusammensetzung der Darmflora verändert sich in den Wechseljahren – mit Auswirkungen auf den Stoffwechsel, die Nährstoffverwertung und die Gewichtszunahme. Ein gestörtes Mikrobiom steht im Zusammenhang mit einer erhöhten Neigung zur Gewichtszunahme und chronischen Entzündungen [6, 7].

5. Schlafmangel und Stress

Hitzewallungen, Nachtschweiß und hormonell bedingte Schlafstörungen stören den nächtlichen Erholungsprozess. Schlafmangel beeinflusst den Hormonhaushalt zusätzlich – insbesondere die Regulation von Ghrelin (Hungerhormon) und Leptin (Sättigungshormon). Gleichzeitig steigt durch chronischen Stress der Cortisolspiegel – ein weiterer Faktor, der die Fettverteilung negativ beeinflusst [8].

6. Bewegungsmangel

Mit zunehmendem Alter bewegen sich viele Frauen im Alltag weniger – sei es durch berufliche Veränderungen, körperliche Einschränkungen oder schwindende Motivation. Der natürliche Rückgang an Aktivität führt dazu, dass der tägliche Energieverbrauch sinkt. Ohne eine bewusste Anpassung der Kalorienzufuhr entsteht ein Energieüberschuss, der sich langfristig in Form von Körperfett niederschlägt.

Gleichzeitig fehlt dem Körper durch Bewegungsmangel ein wichtiger Reiz, um die Muskelmasse zu erhalten. Die Kombination aus weniger Bewegung und gleichzeitigem Muskelabbau verstärkt die Abnahme des Grundumsatzes zusätzlich – ein Kreislauf, der die Gewichtszunahme begünstigt [4, 6].

Gesundheitliche Folgen der Gewichtszunahme

1. Bauchfett als Risikofaktor

Die hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren – insbesondere der Rückgang von Östrogen – fördern die Einlagerung von Fett im Bauchraum. Dabei handelt es sich häufig um viszerales Fett, das sich um innere Organe wie Leber, Bauchspeicheldrüse und Darm anlagert. Dieses Fettgewebe produziert entzündungsfördernde Botenstoffe (z. B. Zytokine), die nachweislich das Risiko für chronische Erkrankungen erhöhen. Anders als subkutanes Fett unter der Haut wird viszerales Fett daher als besonders gesundheitsschädlich eingestuft. [9]

2. Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Viszerales Bauchfett steht in direktem Zusammenhang mit einem gestörten Fett- und Zuckerstoffwechsel. Es begünstigt die Entstehung von Bluthochdruck, erhöhten Triglyzeridwerten, niedrigem HDL-Cholesterin („gutes Cholesterin“) und Insulinresistenz – allesamt Risikofaktoren für koronare Herzerkrankungen und Herzinfarkt. Besonders in der Postmenopause, wenn der schützende Effekt von Östrogen nachlässt, steigt das kardiovaskuläre Risiko bei Frauen deutlich an. [2, 3, 9]

3. Diabetes Typ 2

Die Gewichtszunahme in den Wechseljahren, insbesondere durch viszerales Fett, fördert die Entwicklung einer Insulinresistenz – also eine verminderte Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin. Die Folge ist ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel, der zur Entstehung von Diabetes Typ 2 führen kann. Studien zeigen, dass Frauen in und nach der Menopause ein signifikant erhöhtes Risiko für Diabetes haben – insbesondere, wenn bereits eine familiäre Vorbelastung besteht oder Übergewicht vorliegt. [2, 3, 4]

4. Osteoporose

Zwar wirkt ein höheres Körpergewicht aufgrund der mechanischen Belastung zunächst knochenschützend. Bei starkem Übergewicht und gleichzeitigem Bewegungsmangel überwiegen jedoch die negativen Effekte: chronische Entzündungen durch viszerales Fett können den Knochenstoffwechsel stören. Hinzu kommt, dass der Mangel an Östrogen in der Postmenopause unabhängig vom Gewicht den Knochenabbau beschleunigt. Dadurch steigt langfristig das Risiko für Osteoporose und Frakturen, insbesondere an Wirbelsäule, Hüfte und Handgelenken. [4]

5. Weitere betroffene Körperbereiche und Beschwerden

Neben dem Bauch nehmen viele Frauen auch an anderen Stellen zu, etwa an Hüften, Oberschenkeln, Oberarmen, Rücken und Taille. Diese Fettverteilung verändert nicht nur die Silhouette, sondern kann auch funktionelle Einschränkungen mit sich bringen – z. B. Gelenkbelastung, Rückenschmerzen oder Erschöpfung bei alltäglichen Aktivitäten. [5]

6. Psychische Belastung

Die körperlichen Veränderungen in den Wechseljahren sind für viele Frauen auch seelisch herausfordernd. Die Gewichtszunahme kommt oft schleichend – trotz unverändertem Lebensstil – und sorgt nicht selten für Frust, Unsicherheit oder Scham. Das veränderte Körperbild kann das Selbstbewusstsein beeinträchtigen, besonders in einer Gesellschaft, in der „Schlanksein“ noch immer mit Attraktivität und Disziplin verbunden wird. Umso wichtiger ist es, diese Veränderungen nicht als persönliches Versagen zu deuten – sondern als natürlichen Teil eines hormonellen Umbruchs, der Verständnis, Geduld und gute Begleitung verdient. [13]

Ein kurzer Ausblick auf das Thema Abnehmen

Eine bewusste Lebensweise kann helfen, Gewichtszunahme in den Wechseljahren abzufedern. Maßnahmen wie ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und achtsames Essverhalten spielen dabei eine zentrale Rolle.

Fazit: Kein Einzelfall – sondern ein häufiges, erklärbares Phänomen

Viele Frauen nehmen während der Wechseljahre zu – oft sogar ohne ihr Verhalten wesentlich zu ändern. Diese Entwicklung ist kein individuelles Problem, sondern eine Folge komplexer hormoneller, stoffwechselbedingter und körperlicher Veränderungen. 

Vor allem der sinkende Östrogenspiegel, altersbedingter Muskelabbau und ein veränderter Fettstoffwechsel spielen dabei eine zentrale Rolle. Das Wissen um diese Zusammenhänge kann helfen, besser zu verstehen, was im eigenen Körper passiert – und nimmt gleichzeitig Druck und Schuldgefühle. Eine offene Auseinandersetzung mit dem Thema und realistische Erwartungen sind der erste Schritt, um mit diesen Veränderungen selbstbestimmt und informierter umzugehen.

Quellen

[1] Denby, N. (2023). BRITISH MENOPAUSE SOCIETY Tool for clinicians Information for GPs and other health professionals Menopause: Nutrition and Weight Gain. The British Menopause Society. https://thebms.org.uk/wp-content/uploads/2023/06/19-BMS-TfC-Menopause-Nutrition-and-Weight-Gain-JUNE2023-A.pdf

[2] Greendale, Sternfeld, Huang et al. (2019). Changes in body composition and weight during the menopause transition. JGreendale, G. A., Sternfeld, B., Huang, M., Han, W., Karvonen-Gutierrez, C.,

[3] Ruppert, K., Cauley, J. A., Finkelstein, J. S., Jiang, S. F., & Karlamangla, A. S. (2019). Changes in body composition and weight during the menopause transition. JCI insight, 4(5), e124865. https://doi.org/10.1172/jci.insight.124865CI Insight, 4(5). doi: https://doi.org/10.1172/jci.insight.124865

[4] Ko, S. H., & Jung, Y. (2021). Energy Metabolism Changes and Dysregulated Lipid Metabolism in Postmenopausal Women. Nutrients, 13(12), 4556. https://doi.org/10.3390/nu13124556

[5] Sternfeld, Bhat, Wang et al. (2005). Menopause, Physical Activity, and Body Composition/Fat Distribution in Midlife Women. Medicine & Science in Sports & Exercise, 37(7), pp.1195–1202. doi: https://doi.org/10.1249/01.mss.0000170083.41186.b1

[6] Zhao, H., Chen, J., Li, X., Sun, Q., Qin, P., & Wang, Q. (2019). Compositional and functional features of the female premenopausal and postmenopausal gut microbiota. FEBS letters, 593(18), 2655–2664. https://doi.org/10.1002/1873-3468.13527 

[7] Peters, B. A., Santoro, N., Kaplan, R. C., & Qi, Q. (2022). Spotlight on the Gut Microbiome in Menopause: Current Insights. International journal of women’s health, 14, 1059–1072. https://doi.org/10.2147/IJWH.S340491

[8] Stern, J. H., Grant, A. S., Thomson, C. A., Tinker, L., Hale, L., Brennan, K. M., Woods, N. F., & Chen, Z. (2014). Short sleep duration is associated with decreased serum leptin, increased energy intake and decreased diet quality in postmenopausal women. Obesity (Silver Spring, Md.), 22(5), E55–E61. https://doi.org/10.1002/oby.20683

[9] Kodoth, V., Scaccia, S., & Aggarwal, B. (2022). Adverse Changes in Body Composition During the Menopausal Transition and Relation to Cardiovascular Risk: A Contemporary Review. Women’s health reports (New Rochelle, N.Y.), 3(1), 573–581. https://doi.org/10.1089/whr.2021.0119

[10] Macdonald, New, Campbell et al. (2003). Longitudinal changes in weight in perimenopausal and early postmenopausal women: effects of dietary energy intake, energy expenditure, dietary calcium intake and hormone replacement therapy. International Journal of Obesity, 27(6), pp.669–676. doi: https://doi.org/10.1038/sj.ijo.0802283

[11] Australasian Menopause Society. (2023, November 1). New potential mechanism underlying loss of muscle mass during menopause. https://www.menopause.org.au/hp/studies-published/new-potential-mechanism-underlying-loss-of-muscle-mass-during-menopause

[12] North American Menopause Society. (2024). Effect of hormone therapy on insulin resistance. https://menopause.org/wp-content/uploads/press-release/Effect-of-HT-on-insulin-resistance.pdf

[13] Medeiros de Morais, M. S., Macêdo, S. G. G. F., do Nascimento, R. A., Vieira, M. C. A., Moreira, M. A., da Câmara, S. M. A., Almeida, M. D. G., & Maciel, Á. C. C. (2024). Dissatisfaction with body image and weight gain in middle-aged women: A cross sectional study. PloS one, 19(1), e0290380. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0290380

Mitwirkende Autor:innen

  • Anna-Kristin Steiner ist Ernährungswissenschaftlerin, zertifizierte Ernährungsberaterin und Gesundheits- und Krankenpflegerin. Sie verfügt über jahrelange Erfahrung in der Beratung und Versorgung von Patient:innen mit verschiedenen Krankheitsbildern.

  • Anna ist Diätassistentin/Ernährungstherapeutin (B.Sc. Diätetik). Seit 2021 ist sie Teil von Sidekick – zunächst als direkte Ansprechpartnerin zur Unterstützung von Menschen mit Adipositas, heute als Verstärkung des Content-Teams für die Programme zanadio und MENO!. Als Mitglied im Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e.V. (VDD) engagiert sie sich für eine starke ernährungstherapeutische Versorgung. In ihrer Freizeit trifft man sie oft sportlich unterwegs oder in der Küche – denn Kochen zählt zu ihren großen Leidenschaften.

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