Die Wechseljahre verstehen

Die Wechseljahre sind eine bedeutende Lebensphase für Frauen, geprägt von hormonellen Veränderungen, die sowohl körperliche als auch psychische Auswirkungen haben können. Gut informiert zu sein, kann helfen, diese Lebensphase selbstbestimmt und mit Vertrauen zu durchlaufen. In diesem Artikel erhältst du einen umfassenden Überblick über die Phasen der Wechseljahre, typische Beschwerden und mögliche Behandlungsansätze.

Inhaltsverzeichnis

Was sind die Wechseljahre?

Die Wechseljahre, auch Klimakterium genannt, sind eine natürliche Übergangsphase im Leben einer Frau. Dabei lässt die Funktion der Eierstöcke nach, bis die Menstruation endgültig ausbleibt. Diese Phase markiert das Ende der fruchtbaren Jahre und bringt eine Reihe hormoneller Veränderungen mit sich. Die Wechseljahre beeinflussen nicht nur die Gesundheit, sondern auch das Wohlbefinden und den Alltag. [1]

Die weiblichen Hormone im Laufe des Lebens

In der Pubertät beginnen die Eierstöcke, die Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron zu produzieren. Diese Hormone steuern den Menstruationszyklus und bereiten den Körper auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Mit Beginn der Wechseljahre nimmt die Hormonproduktion allmählich ab, was zu verschiedenen körperlichen und psychischen Veränderungen führt. [2]

Die Phasen der Wechseljahre

Die Wechseljahre lassen sich in drei medizinisch relevante Phasen unterteilen:

  • Perimenopause: Diese Phase beginnt einige Jahre vor der letzten Regelblutung und dauert etwa bis ein Jahr danach an. Der Hormonspiegel – insbesondere Östrogen und Progesteron – schwankt deutlich. Erste typische Beschwerden wie Hitzewallungen oder Zyklusunregelmäßigkeiten treten häufig in dieser Phase auf.
  • Menopause: Die Menopause ist kein Zeitraum, sondern ein Zeitpunkt – nämlich der Tag der letzten spontanen Menstruation. Er wird rückblickend bestimmt, wenn die Regelblutung zwölf Monate lang ausgeblieben ist.
  • Postmenopause: Sie beginnt nach der Menopause. In dieser Phase bleibt der Östrogenspiegel dauerhaft niedrig, was langfristige Auswirkungen auf Knochen, Schleimhäute und das Herz-Kreislauf-System haben kann. [2]

Hinweis: Die Prämenopause zählt medizinisch nicht zu den Wechseljahren. Sie bezeichnet die reproduktive Lebensphase vor Beginn der hormonellen Veränderungen, in der der Zyklus noch regelmäßig verläuft und keine typischen eine typischen klimakterischen Symptome auftreten.

Ab wann beginnen die Wechseljahre?

Im Durchschnitt erleben Frauen die Menopause im Alter von 51 Jahren. Bei etwa 1 % der Frauen tritt sie jedoch bereits vor dem 40. Lebensjahr ein, bei einigen sogar noch früher [3]. Die hormonelle Umstellung kann sich über mehrere Jahre hinziehen und dauert im Schnitt fünf bis acht Jahre. [2]

➚ Wie der Übergang Vorn der Prämenopause zur Perimenopause und damit in die Wechseljahre aussehen kann, erklärt der Artikel Wann beginnen die Wechseljahre? ausführlich.

Wechseljahresbeschwerden sind unterschiedlich

Obwohl die Wechseljahre keine Krankheit, sondern eine natürliche hormonelle Umstellung sind, erleben etwa 75 % der Frauen Beschwerden, die stark variieren können. Zur Einordnung dient die sogenannte Drittelregel: Ein Drittel (bis die Hälfte) der Frauen beschreibt ihre Symptome als stark, ein weiteres Drittel als mittelstark und das letzte Drittel hat kaum Beschwerden. [3]

Auswirkungen auf den Körper

Die hormonellen Veränderungen während der Wechseljahre haben weitreichende Auswirkungen.

  • Von der ersten Regelblutung bis zur Menopause produzieren die Eierstöcke Östrogen und Progesteron. Diese Hormone dienen dazu, den Körper auf eine mögliche Schwangerschaft vorzubereiten. Mit Beginn der Wechseljahre lässt die Hormonproduktion altersbedingt nach. Es findet immer seltener ein Eisprung statt und bleibt schließlich ganz aus. 
  • Eine Folge der nachlassenden Hormonproduktion in den Eierstöcken: FSH, das Follikel stimulierende Hormon, wird in der Hirnanhangdrüse verstärkt gebildet. Dadurch wird die Bildung der Eibläschen (Follikel) stimuliert und zunächst sogar mehr Östrogen gebildet. 
  • Die Schwankungen im Östrogenspiegel sind für Brustspannen und wahrscheinlich auch für die Hitzewallungen verantwortlich, die viele Frauen im Klimakterium erleben. Durch den Östrogenmangel entsteht oft eine Scheidentrockenheit, die sich unter anderem in Form von Schmerzen beim Sex bemerkbar machen kann. 

Häufige Beschwerden in den Wechseljahren

Die Wechseljahre können eine Vielzahl von Symptomen und Begleiterkrankungen mit sich bringen, die sowohl körperlicher als auch psychischer Natur sind. Sie können schon einige Jahre vor der Menopause einsetzen und bis zu 13 Jahre dauern. Hier sind einige der häufigsten:

  • Hitzewallungen und Nachtschweiß: Häufige Symptome, die plötzlich auftreten können und den Schlaf stören [4]
  • Schlafstörungen: Viele Frauen haben in den Wechseljahren Probleme beim Ein- und Durchschlafen
  • Stimmungsschwankungen und Depressionen: Hormonelle Veränderungen können die Psyche beeinflussen und zu Reizbarkeit oder Depressionen führen [4]
  • Scheidentrockenheit und Schmerzen beim Sex: Der Östrogenmangel kann zu Scheidentrockenheit und dadurch zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Libidoverlust führen [3]
  • Gewichtszunahme: Viele Frauen nehmen in den Wechseljahren zu, besonders im Bauchbereich.
  • Osteoporose: Das Risiko für Knochenschwund erhöht sich in dieser Lebensphase deutlich [4]
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Während und nach den Wechseljahren steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen ist jedoch noch nicht abschließend geklärt [4]

Behandlungsansätze und -management

Die Hormontherapie lindert Wechseljahresbeschwerden, indem sie die fehlenden Hormone ersetzt. Sie hilft sehr gut gegen Hitzewallungen und schützt vor Osteoporose. Allerdings ist sie nicht für jede Frau geeignet. Ob sie für dich infrage kommt, besprichst du am besten mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.

  • Hormontherapie (HRT): Sie ersetzt die fehlenden Hormone und kann gegen Hitzewallungen und Osteoporose helfen. Eine individuelle Beratung durch Ärzt:innen ist wichtig.
  • Lebensstiländerungen: Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und Stressmanagement können das Wohlbefinden verbessern, ersetzen aber keine medizinische Behandlung.
  • Nicht-hormonelle Medikamente: Diese können spezifische Symptome wie Hitzewallungen lindern. Eine ärztliche Beratung ist notwendig.
  • Kognitive Verhaltenstherapie: Besonders wirksam bei Schlafstörungen und psychischen Beschwerden [6].
  • Pflanzliche Arzneimittel: Bei leichten Beschwerden können pflanzliche Mittel wie Traubensilberkerze oder Johanniskraut eine Alternative sein. Auch hier ist eine Beratung durch Ärzt:innen ratsam [6].

Einfluss auf Alltag und Beruf

Für viele Frauen sind die Wechseljahre nicht nur ein medizinisches Thema, sondern können auch emotional herausfordernd sein. Frauen in den Wechseljahren stehen zudem mitten im (Berufs-)Leben. Trotz hoher Betroffenenzahlen – etwa neun Millionen Frauen befinden sich derzeit im Klimakterium – wurde das Thema lange totgeschwiegen. Heute treten immer mehr Frauen und Ärzt:innen dafür ein, die Wechseljahre aus der Tabuzone zu holen, indem Frauen nicht nur besser aufgeklärt werden, sondern das Thema auch im Gesundheitssystem und in der Arbeitswelt stärker auf die Agenda gesetzt wird.

Quellen

[1] Menopause-gesellschaft.de. (2019). Menopause – Menopause Gesellschaft. Verfügbar unter: https://www.menopause-gesellschaft.de/themen/menopause/ [Zugriff am 13. Aug. 2024].

[2] Frauengesundheitsportal.de. (2021). Was sind die Wechseljahre? Verfügbar unter: https://www.frauengesundheitsportal.de/themen/wechseljahre/was-sind-die-wechseljahre/ [Zugriff am 13. Aug. 2024].

 [3]: Santoro, N., Epperson, C. N., & Mathews, S. B. (2015). Menopausal Symptoms and Their Management. Endocrinology and Metabolism Clinics of North America, 44(3), 497–515. https://sci-hub.se/10.1016/j.ecl.2015.05.001 

[4] Thurston, R. C., & Joffe, H. (2021). Vasomotor Symptoms and Menopause: Findings from the Study of Women’s Health Across the Nation. Obstetrics and Gynecology Clinics of North America, 48(4), 597-610. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0889854521007518?via%3Dihub 

[5] Frauenaerzte-im-netz.de. (2023). Wechseljahre. Wissen macht cool. Verfügbar unter: https://www.frauenaerzte-im-netz.de/aktuelles/meldung/wechseljahre-wissen-macht-cool/ [Zugriff am 13. Aug. 2024].

[6] Inwald, E.C., Albring, C., Baum, E., et al. (2021). Perimenopause and Postmenopause – Diagnosis and Interventions. Guideline of the DGGG and OEGGG (S3-Level, AWMF Registry Number 015-062, September 2020). 81(06), 612–636. https://doi.org/10.1055/a-1361-1948.

Mitwirkende Autor:innen

  • Esther Berndt ist Physiotherapeutin und hat Gesundheit und Management (B.Sc.) studiert. Sie unterstützte das Content Development Team im Bereich Bewegung.

  • Das MENO! Redaktionsteam setzt sich aus erfahrenen und qualifizierten Fachkräften unterschiedlicher Disziplinen zusammen. Dazu gehören Expert:innen aus den Bereichen Medizin, Ernährungswissenschaft/Ökotrophologie, Sport- und Gesundheitswissenschaften sowie der klinischen Psychologie. Unser Ziel ist es, allen Leser:innen verlässliche, gut verständliche und wissenschaftlich fundierte Gesundheitsinformationen zu bieten. Jeder Artikel wird sorgfältig auf Aktualität, Fachlichkeit und eine wertfreie Darstellung geprüft, um zu einer informierten und offenen Auseinandersetzung mit dem Thema beizutragen.

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