Sexualität: Was sich in den Wechseljahren verändert

Während der Wechseljahre verändert sich bei vielen Frauen das sexuelle Erleben. Gerade weil Sexualität noch immer ein Tabuthema ist, lohnt es sich, gut informiert zu sein. Wenn du weißt, was sich verändert, warum das passiert und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, kannst du aktiv etwas für dein Wohlbefinden tun.

Inhaltsverzeichnis

Weibliche Sexualität: Noch immer ein Tabuthema

Während der Wechseljahre erleben viele Frauen körperliche, hormonelle und psychische Veränderungen, die ihre Sexualität beeinflussen können. Das ist ein natürlicher Prozess, über den jedoch selten offen gesprochen wird, weder in Beziehungen noch in ärztlichen Gesprächen. In unserer Gesellschaft wird Sexualität oft mit Jugend, Schönheit und Fruchtbarkeit verbunden. Dadurch entsteht der Eindruck, dass Sexualität und Älterwerden nicht zusammenpassen. Das daraus resultierende Tabu ist ein Problem. Denn viele Beschwerden wären gut behandelbar, wenn sie erkannt und zur Sprache gebracht würden. [1, 2, 3, 4]

Ein häufiges Phänomen: das genitourinäre Syndrom der Menopause 

Eine der häufigsten Ursachen für sexuelle Beschwerden in der Postmenopause ist das genitourinäre Syndrom der Menopause (GSM). Aktuelle wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass etwa 27 bis 84 Prozent der postmenopausalen Frauen Symptome des GSM erleben, wobei die höhere Prävalenz in länger zurückliegenden Menopausen auftritt. [5, 6] Dabei handelt es sich um ein Beschwerdebild, das durch hormonbedingte Veränderungen der Scheiden- und Harnröhrenschleimhaut verursacht wird. Dabei wird diese dünner, trockener und empfindlicher. 

Auch ein Libidoverlust ist sehr häufig: Je nach Studie berichten 25 bis 45 Prozent der Frauen von einem Rückgang des sexuellen Verlangens, wobei die Prävalenz in der Peri- und Postmenopause besonders hoch ist. [8, 9, 13]

Wenn auch du solche Veränderungen bei dir bemerkst, solltest du wissen: 

  1. Du durchläufst eine normale Entwicklung.
  2. Du bist damit nicht allein.
  3. Es handelt sich nicht um ein persönliches Manko. 

Hormon-Achterbahn: Was im Körper passiert

Die hormonellen Veränderungen während der Wechseljahre sind die wichtigste Ursache für Veränderungen der Sexualität. Dabei spielen vor allem  Östrogen und Testosteron eine zentrale Rolle.

Sinkender Östrogenspiegel

Im Verlauf der Wechseljahre sinkt der Östrogenspiegel nach und nach immer mehr. Dadurch verändert sich das Gewebe von Vagina und Harnröhre: Die Schleimhaut wird dünner, trockener und weniger elastisch. Fachleute sprechen hier von vaginaler Atrophie. Gleichzeitig steigt der pH-Wert, was Infektionen begünstigen kann. Zusammengenommen werden diese Symptome als GSM bezeichnet, welche auch die natürliche Befeuchtung der Vagina während der sexuellen Erregung verringern. [2, 5, 12]

Rückgang von Testosteron

Auch der Testosteronspiegel sinkt mit zunehmendem Alter. Bei Frauen sinkt die Testosteronproduktion kontinuierlich ab dem 30. Lebensjahr ab. Dieses männliche Geschlechtshormon beeinflusst das sexuelle Verlangen und die Erregbarkeit. Allerdings spielen neben dem Testosteron auch andere Neurotransmitter wie Dopamin, Oxytocin und Serotonin eine entscheidende Rolle bei der sexuellen Erregung und dem Verlangen. Sinkt der Testosteronspiegel, kann das Interesse an Sexualität nachlassen. [3, 8]

Sexualität und Wechseljahre: Typische Beschwerden im Überblick

Die hormonellen Veränderungen während der Wechseljahre bringen eine Reihe von Symptomen mit sich, die die Sexualität direkt beeinträchtigen können. [2, 3, 5, 6, 13]

Typische körperliche Symptome (GSM-Symptome)

  • Scheidentrockenheit, -brennen oder -reizung
  • Schmerz beim Geschlechtsverkehr
  • Juckreiz oder Spannungsgefühl in der Vulva
  • erhöhte Anfälligkeit für Harnwegsinfekte und Blasenbeschwerden wie eine überaktive Blase (Reizblase)

Veränderungen von Verlangen und Erregung

  • vermindertes oder fehlendes sexuelles Interesse (Libidoverlust)
  • Schwierigkeiten, sexuell erregt zu werden
  • veränderte oder abgeschwächte Orgasmusfähigkeit 

Was wirklich hilft: evidenzbasierte Behandlungsmöglichkeiten

Viele Beschwerden, die die Sexualität während der Wechseljahre beeinträchtigen, lassen sich heute gut behandeln. Medizinische Leitlinien geben klare Empfehlungen, welche Therapien in welcher Situation geeignet sind [2, 3, 11].

Behandlung von Scheidentrockenheit und Schmerzen

Die typischen Symptome des GMS können sowohl hormonell als auch nicht hormonell behandelt werden.

  • Nicht-hormonelle Behandlung: Wenn du unter vaginaler Trockenheit leidest, können hormonfreie Gleitmittel beim Sex hilfreich sein. Zur täglichen Pflege eignen sich Feuchtigkeitscremes, die die Schleimhaut mit Lipiden und Wasser versorgen. Solche Präparate werden bei leichten bis mittleren Beschwerden empfohlen. [2, 3, 12]
  • Lokale Östrogentherapie: Bei stärkeren Beschwerden kann zusätzlich eine lokale Hormonbehandlung sinnvoll sein. Dabei wird Östrogen in sehr niedriger Dosierung als Creme, Vaginaltablette oder Vaginalring direkt in der Vagina angewendet. Diese Therapie wirkt gezielt an Ort und Stelle, das Hormon gelangt kaum in den Blutkreislauf und gilt deshalb als sehr sicher. [2, 3, 5, 14, 15]

➚ Erfahre mehr über die Behandlungsmöglichkeiten bei Scheidentrockenheit.

Behandlung bei Libidoverlust

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, z. B. infolge vaginaler Trockenheit, können dazu führen, dass die sexuelle Lust nachlässt. Häufig entsteht dadurch ein Kreislauf aus Schmerz, Vermeidung und sinkendem Verlangen. In solchen Fällen bessert sich die Libido oft deutlich, sobald die körperlichen Beschwerden erfolgreich behandelt werden.

Manche Frauen erleben jedoch auch einen primären Verlust des sexuellen Verlangens, der nicht durch Schmerzen erklärbar ist. Ärztinnen und Ärzte sprechen dann von einer hypoaktiven sexuellen Appetenzstörung (HSDD). Die Ursachen sind vielfältig und können sowohl hormonelle als auch psychische und Beziehungsfaktoren umfassen. Eine sorgfältige Abklärung ist daher wichtig, um die Behandlung individuell anzupassen. [13, 16]

Oft hilft ein ganzheitlicher Ansatz, der medizinische und psychotherapeutische Maßnahmen kombiniert. Wenn zusätzlich andere Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen auftreten, kann eine systemische Hormonersatztherapie (HRT) die Libido positiv beeinflussen. In bestimmten Fällen kommt auch eine niedrig dosierte Testosterontherapie infrage. Diese Anwendung ist in Deutschland nicht offiziell zugelassen (Off-Label-Use) und sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, idealerweise durch Fachleute mit Erfahrung auf diesem Gebiet. [11, 17]

Wann ist eine ärztliche Behandlung ratsam?

Ein Arztbesuch ist immer dann zu empfehlen, wenn deine Lebensqualität oder deine Beziehung durch die Probleme in der Sexualität beeinträchtigt sind und ein Leidensdruck vorhanden ist. Das gilt besonders, wenn du Schmerzen beim Sex hast.

Auch wenn rezeptfreie Präparate wie Gleitmittel oder Feuchtigkeitscremes keine ausreichende Linderung bringen, solltest du dich professionell beraten lassen. Eine fachärztliche Untersuchung kann helfen, die Ursachen zu klären und passende Therapien auszuwählen.

Bleibt der Libidoverlust bestehen, obwohl andere Beschwerden bereits behandelt sind, ist es ebenfalls ratsam, Unterstützung zu suchen. Viele Frauen zögern, darüber zu sprechen, dabei sind die Behandlungsmöglichkeiten heute sehr gut. Gemeinsam mit einer gynäkologischen oder sexualmedizinischen Fachkraft lassen sich Ursachen abklären und individuelle Therapieansätze entwickeln. Dabei kommen unter anderem eine Hormonersatztherapie, psychologische Beratung oder Paartherapie infrage. Je früher du dir Hilfe holst, desto besser lassen sich die Beschwerden lindern und dein sexuelles Wohlbefinden stärken. [1, 2, 3, 12]

Was du mitnehmen kannst

Veränderungen in der Sexualität während der Wechseljahre sind normal und kein Zeichen von Versagen. Sie entstehen durch natürliche hormonelle Prozesse, die sich behandeln und oft deutlich verbessern lassen. Wenn du Beschwerden spürst oder dich in deiner Sexualität eingeschränkt fühlst, sprich offen darüber, mit deiner Ärztin, deinem Partner oder einer anderen dir nahestehenden Person. Du hast das Recht auf ein erfülltes sexuelles Wohlbefinden, auch in dieser Lebensphase. 

Quellen

  1. Bundesministerium für Gesundheit (2024). Wechseljahre. gesund.bund.de. Abgerufen am 12. November 2025, von https://gesund.bund.de/wechseljahre
  2. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (2024). Wechseljahresbeschwerden. gesundheitsinformation.de. Abgerufen am 12. November 2025, von https://www.gesundheitsinformation.de/wechseljahresbeschwerden.html
  3. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG), Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG) (2021). S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen. AWMF-Registernummer: 015-062. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-062
  4. Lohr, C. (2025). Wechseljahre und Gesellschaft: Geschichte & neue Perspektiven. Abgerufen am 12. November 2025, von https://christinelohr.de
  5. North American Menopause Society (NAMS) & International Society for the Study of Women’s Sexual Health (ISSWSH) (2020). The 2020 genitourinary syndrome of menopause position statement. The Journal of Sexual Medicine, 17(10), 2098-2113. DOI: 10.1016/j.jsxm.2020.08.003
  6. Stute, P. (2022). Moderne Behandlung des Genitourinären Syndroms der Menopause. Journal für Gynäkologische Endokrinologie, Österreich. Abgerufen von https://kup.at
  7. Universimed (2025). Vulvovaginale Atrophie. Knowledge that matters. Abgerufen am 12. November 2025, von https://universimed.com
  8. NetDoktor (2023). Sexualität in den Wechseljahren. Abgerufen am 12. November 2025, von https://netdoktor.de
  9. Rosenfluh Publikationen (2023). Die sexuelle Lustlosigkeit der Frau in der (Peri-)Menopause. Abgerufen am 12. November 2025, von https://rosenfluh.ch
  10. SpringerMedizin (2025). Die Rolle von vaginalem DHEA bei der Behandlung des genitourinären Syndroms der Menopause. Abgerufen am 12. November 2025, von https://springermedizin.at
  11. Deutsche Menopause Gesellschaft (DMG) & SpringerMedizin (2023). Die S3-Leitlinie „Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen“: Interpretation und Umsetzung. Abgerufen am 12. November 2025, von https://springermedizin.at
  12. GPNotebook (2025). Topische Östrogene bei der Behandlung von urogenitalen Symptomen der Menopause. Abgerufen am 12. November 2025, von https://gpnotebook.com
  13. Menoelle (2025). Libidoverlust in den Wechseljahren – Unlust verstehen. Abgerufen am 12. November 2025, von https://menoelle.com
  14. Hormonspezialisten (2025). Therapie der vaginalen Atrophie. Abgerufen am 12. November 2025, von https://hormonspezialisten.de
  15. Simon, J., et al. (2017). A vaginal estradiol softgel capsule, TX-004HR, has negligible to very low systemic absorption of estradiol: Efficacy and pharmacokinetic data review. Maturitas, 99, 51-58. DOI: 10.1016/j.maturitas.2017.02.004
  16. Gelbe Liste (2024). Hypoaktive sexuelle Luststörung (HSDD): Gleichgewicht zwischen Erregung und Hemmung. Abgerufen am 12. November 2025, von https://gelbe-liste.de
  17. DocCheck (2024). Libido-Verlust: Was kann Testosteron? Abgerufen am 12. November 2025, von https://doccheck.com

Mitwirkende Autor:innen

  • Anna ist Diätassistentin/Ernährungstherapeutin (B.Sc. Diätetik). Seit 2021 ist sie Teil von Sidekick – zunächst als direkte Ansprechpartnerin zur Unterstützung von Menschen mit Adipositas, heute als Verstärkung des Content-Teams für die Programme zanadio und MENO!. Als Mitglied im Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e.V. (VDD) engagiert sie sich für eine starke ernährungstherapeutische Versorgung. In ihrer Freizeit trifft man sie oft sportlich unterwegs oder in der Küche – denn Kochen zählt zu ihren großen Leidenschaften.

  • Das MENO! Redaktionsteam setzt sich aus erfahrenen und qualifizierten Fachkräften unterschiedlicher Disziplinen zusammen. Dazu gehören Expert:innen aus den Bereichen Medizin, Ernährungswissenschaft/Ökotrophologie, Sport- und Gesundheitswissenschaften sowie der klinischen Psychologie. Unser Ziel ist es, allen Leser:innen verlässliche, gut verständliche und wissenschaftlich fundierte Gesundheitsinformationen zu bieten. Jeder Artikel wird sorgfältig auf Aktualität, Fachlichkeit und eine wertfreie Darstellung geprüft, um zu einer informierten und offenen Auseinandersetzung mit dem Thema beizutragen.

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