Das Wichtigste in Kürze
- Scheidentrockenheit ist in den Wechseljahren und der Postmenopause sehr häufig.
- Der sinkende Östrogenspiegel macht die Schleimhäute dünner, trockener und empfindlicher.
- Mögliche Beschwerden sind Juckreiz, Brennen, Schmerzen beim Sex und häufigere Infektionen.
- Gleitmittel und Feuchtigkeitsprodukte können erste Linderung verschaffen. Bei stärkeren Beschwerden helfen lokal angewendete Östrogenpräparate.
- Ärztliche Beratung und ein offener Umgang mit dem Thema sind entscheidend für eine gute Behandlung.
Was ist Scheidentrockenheit?
Scheidentrockenheit wird in der Medizin auch als vaginale Trockenheit oder (vulvo-)vaginale Atrophie bezeichnet. Atrophie beschreibt einen Rückgang von Gewebe. Dabei werden die Schleimhäute der Vagina dünner, trockener und weniger elastisch. Dies führt bei einigen Frauen zu Beschwerden wie Juckreiz, Brennen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Ausgelöst wird das durch den sinkenden Östrogenspiegel.
Darum wird die Scheide trocken
In den Wechseljahren, vor allem in der Perimenopause, sinkt der Östrogenspiegel, was bereits zu ersten Anzeichen von Scheidentrockenheit führen kann. Hitzewallungen und andere Wechseljahresbeschwerden lassen nach der Menopause (der letzten Regelblutung) oft nach. Für die Scheidentrockenheit gilt das nicht. Nicht alle Frauen haben Beschwerden, aber viele berichten, dass die Trockenheit nach der Menopause zunimmt.
Der Grund: Der Östrogenmangel bleibt bestehen. Gerade deshalb ist es wichtig, offen über das Thema zu sprechen. Fast alle Frauen erleben Scheidentrockenheit in einem gewissen Alter. Sie ist kein Tabuthema, denn es gibt gute Behandlungsmöglichkeiten. [1]
Ursachen von Scheidentrockenheit in den Wechseljahren
Östrogen ist wichtig, um die Schleimhäute feucht und elastisch zu halten. In den Wechseljahren sinkt die Hormonproduktion, was auch den Genitalbereich verändert. Der Östrogenmangel verlangsamt die Zellerneuerung, die Schleimhaut wird dünner und trockener. Dies betrifft das gesamte Gewebe im Genitalbereich, einschließlich Muskeln und Bindegewebe, die an Festigkeit und Elastizität verlieren. Die Schleimhaut produziert weniger Flüssigkeit und die Anzahl der Milchsäurebakterien, die die Scheide normalerweise besiedeln, nimmt ab. Dadurch steigt der pH-Wert. Diese Veränderungen können zu Beschwerden wie Trockenheit, Juckreiz, Infektionen und schmerzhaftem Geschlechtsverkehr führen. [1, 2]
Faktoren, die du beeinflussen kannst
Zusätzlich zu den hormonellen Veränderungen können verschiedene Lebensstilfaktoren die vaginale Gesundheit und die Trockenheit beeinflussen und verstärken:
- Rauchen: Beeinträchtigt die Durchblutung und verschlechtert die Gewebeerneuerung [9]
- Stress: Kann das hormonelle Gleichgewicht stören und die Symptome verschlimmern [10]
- Unausgewogene Ernährung: Bei Nährstoffmangel leidet auch die Schleimhautgesundheit [8]
- Zu wenig trinken: Trocknet die Schleimhäute zusätzlich aus [6]
- Falsche Intimpflege: Aggressive und parfümierte Produkte können die Schleimhaut reizen und schädigen [12]
Ein gesunder Lebensstil kann sich positiv auf deine vaginale Gesundheit auswirken und mildert die Folgen des Östrogenmangels.
Symptome und mögliche Folgen
Juckreiz, Trockenheitsgefühl und Schmerzen im Bereich der Vulva und der Vagina können ein Hinweis darauf sein, dass sich die Schleimhaut zurückbildet. Auch weitere Beschwerden sind typisch:
Beschwerden beim Sex
Das Empfinden von sexuellen Aktivitäten kann sich in den Wechseljahren und in der Postmenopause, der Phase nach der letzten Regelblutung, verändern. Nicht alle Frauen haben Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, doch viele berichten darüber. Beschwerden können sowohl bei der Penetration als auch bei anderen sexuellen Aktivitäten auftreten. Der sinkende Östrogenspiegel macht die Vaginalschleimhaut trockener und weniger elastisch. Dadurch nimmt die Reibung zu, Sex kann sich unangenehm oder schmerzhaft anfühlen. Schmerzen beim Sex belasten viele Betroffene emotional und führen nicht selten zu einem Rückgang des sexuellen Verlangens. [1]
Beschwerden beim Wasserlassen
Nicht nur die Vaginalschleimhaut, sondern auch die Harnröhre kann durch den Östrogenmangel beeinträchtigt werden. Die Schleimhaut der Harnwege wird dünner und trockener. Das begünstigt Reizungen und Brennen beim Wasserlassen. [1, 3]
Neigung zu Harnwegsinfekten und Pilzinfektionen
Wenn sich die Scheidenschleimhaut verändert, verändert sich auch die Scheidenflora. Vor den Wechseljahren ist die Scheide von Milchsäurebakterien dicht besiedelt. Sie senken den pH-Wert und schützen vor Krankheitserregern. In den Wechseljahren nimmt die Anzahl dieser schützenden Bakterien deutlich ab. Der Grund: Die Schleimhaut bildet weniger Glykogen, der Zucker, von dem Milchsäurebakterien leben. Schädliche Keime und Hefepilze können sich dann leichter ausbreiten. Das erhöht das Risiko für Infektionen mit Beschwerden wie verstärktem Ausfluss, Juckreiz oder unangenehmem Geruch. [1, 2, 3]
Was tun bei Scheidentrockenheit in den Wechseljahren?
Scheidentrockenheit kommt in und nach den Wechseljahren sehr häufig vor. Die Beschwerden müssen jedoch nicht einfach hingenommen werden. Verschiedene Maßnahmen, wie rezeptfreie Produkte oder Medikamente, können helfen, die Beschwerden zu lindern.
Gleitmittel, Feuchtigkeitscremes, Gele und Zäpfchen
Gleitmittel sind ein einfaches und probates Mittel, um die Reibung und damit die Schmerzen beim Sex zu verringern. Bei Verwendung von Kondomen sollte ein wasserbasiertes Gleitmittel gewählt werden. Auch Gele, Cremes oder Zäpfchen halten die Schleimhaut lokal feucht. Ihr pH-Wert ist dem natürlichen Milieu der Scheide angepasst. Diese Präparate eignen sich zur regelmäßigen Anwendung. Einige enthalten Milchsäurebakterien, die möglicherweise die Scheidenflora stärken – gesicherte Daten fehlen jedoch. [4]
Medizinische Behandlung
Wenn einfache Maßnahmen nicht ausreichen oder die Beschwerden den Alltag oder das Sexualleben stark beeinträchtigen, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Frauenärzt:innen können dabei helfen, passende Behandlungsmöglichkeiten zu finden.
Lokale Hormontherapie
Lokale Östrogenpräparate können Scheidentrockenheit wirksam lindern. Sie werden direkt im Vaginalbereich angewendet, zum Beispiel als Creme, Ring oder Tablette. Weil das Östrogen nur in sehr geringen Mengen in den Blutkreislauf gelangt, ist keine zusätzliche Gabe von Progesteron erforderlich. Ergänzend können auch nicht verschreibungspflichtige Feuchtigkeitscremes und Gleitmittel sinnvoll sein. [5, 6, 7]
Praktische Tipps für den Umgang mit Scheidentrockenheit
Scheidentrockenheit kann die Lebensqualität in den Wechseljahren und in der Postmenopause beeinträchtigen. Verschiedene Maßnahmen können helfen, den Umgang damit zu erleichtern:
- Intimhygiene anpassen: Milde, unparfümierte Reinigungsprodukte vermeiden Irritationen. Locker sitzende Unterwäsche aus Baumwolle sorgt für gute Belüftung. [11]
- Regelmäßige Feuchtigkeitspflege: Vaginale Feuchtigkeitsprodukte halten die Schleimhaut geschmeidig.
- Gleitmittel verwenden: Wasserbasierte Gleitmittel reduzieren Reibung und können Schmerzen beim Sex verringern. [4]
- Ernährung und Flüssigkeitszufuhr: Ausreichend trinken und eine ausgewogene Ernährung fördern die Schleimhautgesundheit insgesamt. [7]
Sprich darüber!
Scheidentrockenheit sollte kein Tabuthema sein. Trotzdem fällt es vielen Menschen immer noch schwer, darüber zu reden. Ein Gespräch mit Partner:innen oder Ärzt:innen kann jedoch entlasten und neue Wege eröffnen. Wer Beschwerden und Bedürfnisse klar anspricht, schafft Verständnis und findet eher passende Lösungen. Auch medizinisches Fachpersonal kann gezielt unterstützen und geeignete Therapien empfehlen.
Quellen
[1] Pinkerton, J. V. (2023). Wechseljahre. MSD Manual Ausgabe für Patienten. https://www.msdmanuals.com/de/heim/gesundheitsprobleme-von-frauen/wechseljahre/wechseljahre
[2] Muhleisen, A. L., & Herbst-Kralovetz, M. M. (2016). Menopause and the vaginal microbiome. Maturitas, 91, 42–50. https://doi.org/10.1016/j.maturitas.2016.05.015
[3] Labrie, F., Archer, D. F., Koltun, W., Vachon, A., Young, D., Frenette, L., Portman, D., Montesino, M., Côté, I., Parent, J., Lavoie, L., Martel, C., Vaillancourt, M., Balser, J., & Moyneur, É. (2018). Efficacy of intravaginal dehydroepiandrosterone (DHEA) on moderate to severe dyspareunia and vaginal dryness, symptoms of vulvovaginal atrophy, and of the genitourinary syndrome of menopause. Menopause, 25(11), 1339–1353. https://doi.org/10.1097/gme.0000000000001238
[4] Chen, J., Geng, L., Song, X., Li, H., Giordan, N., & Liao, Q. (2013). Evaluation of the efficacy and safety of hyaluronic acid vaginal gel to ease vaginal dryness: A multicenter, randomized, controlled, open‐label, parallel‐group, clinical trial. The Journal of Sexual Medicine, 10(6), 1575–1584. https://doi.org/10.1111/jsm.12125
[5] National Institute for Health and Care Excellence. (2015). Menopause: diagnosis and management (NICE guideline NG23). https://www.nice.org.uk/guidance/ng23/resources/menopause-diagnosis-and-management-pdf-1837330217413
[6] Frauengesundheitsportal.de. (2024). Mögliche Beschwerden in den Wechseljahren. https://www.frauengesundheitsportal.de/themen/wechseljahre/moegliche-beschwerden-in-den-wechseljahren/
[7] Inwald, E. C., Albring, C., Baum, E., Beckermann, M. J., Bühling, K. J., Emons, G., Gudermann, T., Hadji, P., Imthurn, B., Kiesel, L., Klemperer, D., Klose, P., König, K., Krüger, S., Langhorst, J., Leitzmann, M. F., Ludolph, A. C., Lüftner, D., & Neulen, J. (2021). Perimenopause and postmenopause – diagnosis and interventions. Geburtshilfe und Frauenheilkunde, 81(06), 612–636. https://doi.org/10.1055/a-1361-1948
[8] Gemeinsame Expertenkommission zur Einstufung von Stoffen. (2025). Stellungnahme 2025-01. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Zulassung/ZulRelThemen/abgrenzung/Expertenkommission/stellungnahmen/2025-01.pdf
[9] Kalogeraki, A., Tamiolakis, D., Relakis, K., Karvelas, K., Froudarakis, G., Hassan, E., Martavatzis, N., Psaroudakis, E., Matalliotakis, J., Makrigiannakis, A., Koumantakis, E., & Delides, G. (1996). Cigarette smoking and vaginal atrophy in postmenopausal women. In vivo (Athens, Greece), 10(6), 597–600.
[10] Amabebe, E., & Anumba, D. O. C. (2018). Psychosocial Stress, Cortisol Levels, and Maintenance of Vaginal Health. Frontiers in endocrinology, 9, 568. https://doi.org/10.3389/fendo.2018.00568
[11] Brotman R. M. (2011). Vaginal microbiome and sexually transmitted infections: an epidemiologic perspective. The Journal of clinical investigation, 121(12), 4610–4617. https://doi.org/10.1172/JCI57172