Mönchspfeffer bei Wechseljahresbeschwerden

Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) wird seit Jahrhunderten zur Linderung hormoneller Beschwerden eingesetzt. Doch kann die Pflanze auch in den Wechseljahren helfen? Wenn dich Beschwerden wie z. B. Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen stark beeinträchtigen, stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung, z. B. eine Hormonersatztherapie (HRT) oder auch pflanzliche Arzneimittel. Zu Letzteren zählt auch der Mönchspfeffer.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Mönchspfeffer?

Namensherkunft

Mönchspfeffer (Agnus castus, Keuschbaum, Keuschlamm von Agnus castus = „keusches Lamm“) ist schon in der griechisch-römischen Antike für rituelle Zwecke und als Flechtwerk genutzt worden.

Später verwendeten Mönche die Früchte als Anaphrodisiakum, also zur Dämpfung des Sexualtriebs, daher der Name „Mönchspfeffer“. Mit der Zeit fand die Pflanze jedoch ihren festen Platz in der Frauenheilkunde [4, 5].

Beschreibung

Der bis zu sechs Meter hohe, violett blühende Strauch ist in Südeuropa und Asien beheimatet. Im Herbst trägt Agnus castus kleine, pfefferähnliche Früchte, die Keuschlammfrüchte. Sie schmecken leicht scharf und enthalten zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide, Diterpene, Iridoidglykoside sowie ätherische Öle (z. B. Limonen und Pinen) [6, 7].

Verwendet wird vor allem ein Extrakt aus den Früchten des Mönchspfeffers.

  • Flavonoide: Sekundäre Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Polyphenole. Sie wirken antioxidativ, schützen Zellen vor oxidativem Stress und können Entzündungen mindern.
  • Diterpene: pflanzliche Wirkstoffe mit dopaminähnlicher Wirkung. Sie können den Prolaktinspiegel senken und so hormonelle Beschwerden beeinflussen.
  • Iridoidglykoside: Bitter schmeckende Pflanzenstoffe, die die Pflanze vor Fressfeinden schützen. Sie wirken entzündungshemmend, antioxidativ und teilweise auch schmerzlindernd. Außerdem können sie immunmodulierend wirken.

Verwendung: Wann hilft Mönchspfeffer?

Die Wirksamkeit von Mönchspfeffer bei prämenstruellen Beschwerden (PMS) ist heute durch mehrere Studien und systematische Reviews gut belegt. Dennoch sind weitere groß angelegte Untersuchungen nötig, um die Ergebnisse zu bestätigen [8, 9, 16].

Zunehmend wird erforscht, ob Mönchspfeffer auch bei Wechseljahresbeschwerden helfen kann. Die Studienlage ist hier jedoch deutlich dünner als bei PMS. Eine randomisierte Doppelblindstudie zeigte positive Effekte auf vasomotorische Beschwerden und Angstzustände in den Wechseljahren, doch insgesamt fehlen noch ausreichend große klinische Studien für eine eindeutige Empfehlung [7, 9, 15].

Hinweise gibt es auf mögliche positive Effekte bei:

  • Zyklusstörungen in der Perimenopause
  • Hitzewallungen
  • Brustschmerzen (Mastodynie)
  • Stimmungsschwankungen & Nervosität
  • Konzentrationsproblemen
  • Prämenstruellem Syndrom (PMS) oder PMS-ähnlichen Symptomen
  • Unfruchtbarkeit
  • bei jeglicher Form von leichter Hyperprolaktinämie (zu viel Prolaktin im Blut) wie z. B. beim polyzystischen Ovarialsyndrom 

Wie wirkt Mönchspfeffer?

Sowohl beim prämenstruellen Syndrom (PMS) als auch in der Perimenopause kann der Prolaktinspiegel zeitweise erhöht sein. Prolaktin ist ein Hormon aus der Hirnanhangdrüse, das vor allem die Milchbildung nach der Geburt steuert. Gleichzeitig beeinflusst es den Zyklus. Dauerhaft erhöhte Werte können zu Zyklusstörungen oder Unfruchtbarkeit führen [9, 10].

Der Gegenspieler von Prolaktin ist das Hormon Dopamin. Die im Mönchspfeffer enthaltenen Diterpene wirken vermutlich ähnlich wie Dopamin und können so den Prolaktinspiegel senken. Dadurch könnte auch das Zusammenspiel von Progesteron und Östrogen in der frühen Phase der Wechseljahre positiv beeinflusst werden. 

Diese Mechanismen könnten folgende Wirkungen erklären [9, 10]:

  • Verbesserung von Stimmung und psychischem Wohlbefinden durch die dopaminähnliche Wirkung
  • Regulierung des Menstruationszyklus bei unregelmäßigen Perioden
  • Linderung von PMS-Symptomen wie Stimmungsschwankungen, Brustspannen und Reizbarkeit
  • Reduktion von hormoneller Akne
  • Unterstützung der Fruchtbarkeit durch Stabilisierung des Gelbkörpers (Corpus luteum) und so Erhöhung der Chance einer Einnistung
  • Linderung von leichten Wechseljahresbeschwerden wie Stimmungsschwankungen und Hitzewallungen

Interessant

Eine Senkung des Prolaktinspiegels wirkt sich bei Frauen auf FSH- (Follikelstimulierendes Hormon) und Östrogenspiegel aus, bei Männern hingegen auf den Testosteronspiegel. Deshalb nutzten Mönche Mönchspfeffer früher als Anaphrodisiakum [11, 12].

Da die Wirkung von Mönchspfeffer-Extrakten auf Wechseljahressymptome bislang nicht ausreichend untersucht ist, empfehlen viele Gynäkolog:innen und auch die deutsche S3-Leitlinie zur Peri- und Postmenopause derzeit eher andere pflanzliche Arzneimittel für vasomotorische Beschwerden. Als besser evidenzbasiert gilt insbesondere die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa), die in der Leitlinie mit einer Kann-Empfehlung versehen ist. Mönchspfeffer wird in der Leitlinie nicht speziell für Wechseljahresbeschwerden genannt [14].

Kontraindikationen: Wer sollte Mönchspfeffer meiden?

Mönchspfeffer eignet sich nicht für alle Personengruppen. In bestimmten Fällen kann er unerwünschte oder sogar riskante Wirkungen haben.

  • Schwangere und stillende Frauen: Mönchspfeffer kann Wehen auslösen oder die Milchproduktion beeinflussen.
  • Personen mit hormonempfindlichen Erkrankungen: Dazu zählen etwa Brustkrebs oder Endometriose. Die hormonähnliche Wirkung kann unerwünschte Effekte haben.
  • Menschen, die bestimmte Medikamente einnehmen: Vor allem Dopamin-Antagonisten (z. B. bei psychischen Erkrankungen) und Antiöstrogene können mit Mönchspfeffer wechselwirken [13].

Wer sich unsicher ist, sollte vor der Einnahme ärztlichen Rat einholen, insbesondere bei bestehenden Erkrankungen oder einer laufenden Hormontherapie.

Einnahme und Dosierung von Mönchspfeffer

Auch wenn viele pflanzliche Arzneimittel frei verkäuflich sind, sollte die Einnahme von Mönchspfeffer ärztlich begleitet werden. So lassen sich Dosierung, Dauer und mögliche Wechselwirkungen besser einschätzen. Hier ein paar Infos und Tipps zur Einnahme und zur Dosierung:

  • Qualität prüfen: Die Zusammensetzung der Produkte variiert stark. Achte auf standardisierte Extrakte und seriöse Hersteller (am besten aus der Apotheke).
  • Kostenübernahme: Manche Krankenkassen erstatten die Kosten für pflanzliche Arzneimittel teilweise. Nachfragen lohnt sich.
  • Dosierung: Halte dich an die Empfehlungen des Herstellers. Eine zu niedrige Dosis kann die Wirkung abschwächen, eine zu hohe kann Nebenwirkungen verursachen. Bei Menstruationsbeschwerden gelten 40 mg Mönchspfefferextrakt täglich als wirksam.
    In den Wechseljahren wird häufig eine höhere Dosierung zwischen 40 und 80 mg pro Tag empfohlen.
  • Einnahmedauer: Die Wirkung setzt meist erst nach einigen Wochen ein. Eine regelmäßige Einnahme über mindestens drei Monate wird empfohlen.
  • Bei Nebenwirkungen: Tritt Unwohlsein, Schwindel oder Hautausschlag auf, sollte die Einnahme beendet und ärztlicher Rat eingeholt werden.

Nebenwirkungen und Risiken

Mönchspfeffer gilt allgemein als gut verträglich. Trotzdem kann es, wie bei allen pflanzlichen Arzneimitteln, in Einzelfällen zu unerwünschten Wirkungen kommen. Zu den seltenen Nebenwirkungen zählen [13]:

  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Allergische Reaktionen wie Juckreiz, Hautausschlag, Gesichtsschwellungen oder sogar Atemnot
  • Psychische Veränderungen wie Verwirrtheit, Stimmungsveränderungen oder Schlafstörungen

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat Mönchspfeffer umfassend bewertet und bestätigt die generell gute Verträglichkeit bei sachgemäßer Anwendung [13].

Wechselwirkungen

Mönchspfeffer kann die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen, vor allem von Dopamin-Antagonisten (Mittel gegen psychotische Erkrankungen oder Bewegungsstörungen) sowie von Antiöstrogenen. [13]

Fazit

Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) kann hormonelle Schwankungen ausgleichen und vor allem PMS-Beschwerden lindern. Ob er auch bei Wechseljahresbeschwerden hilft, ist noch nicht eindeutig belegt. Erste Studien deuten auf mögliche positive Effekte hin, jedoch ist die Evidenzlage deutlich schwächer als bei PMS. 

Die deutsche S3-Leitlinie zur Peri- und Postmenopause empfiehlt für Wechseljahresbeschwerden vorrangig Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) als pflanzliches Arzneimittel. Wer eine pflanzliche Alternative zur Hormonersatztherapie sucht, sollte dies mit ärztlicher Begleitung besprechen, um das am besten geeignete Präparat zu wählen [15, 16].

Quellen

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  1. Soares, C.N., Prouty, J., Born, L., Steiner, M. (2005): Treatment of menopause-related mood disturbances. In: CNS Spectr. 2005 Jun;10(6):489-97. doi: 10.1017/s109285290002318x.
  1. Zeun, Susanne (2022): Phytotherapie bei klimakterischen Beschwerden. In:https://natuerlich.thieme.de/spezialthemen/wechseljahre/detail/wechseljahre/phytotherapie-bei-klimakterischen-beschwerden-579#phytotherapie
  1. Kenda, M., Glavač, N. K., Nagy, M., Sollner Dolenc, M., & On Behalf Of The Oemonom (2021): Herbal Products Used in Menopause and for Gynecological Disorders. Molecules (Basel, Switzerland), 26(24), 7421. https://doi.org/10.3390/molecules26247421
  1. Niedenthal, Tobias & Puchtler, Elke (2022): Mönchspfeffer. In: Zeitschrift für Komplementärmedizin 2022; 14(02): 56-57. DOI: 10.1055/a-1841-4395
  1. Schilcher, Heinz (2016): Leitfaden Phytotherapie. 5. Auflage. Urban & Fischer, München 2016, ISBN 978-3-437-55345-5. S. 186 f.
  1. Puglia, L. T., Lowry, J., & Tamagno, G. (2023): Vitex agnus castus effects on hyperprolactinaemia. Frontiers in endocrinology, 14, 1269781. https://doi.org/10.3389/fendo.2023.1269781
  1. Ooi, S. L., Watts, S., McClean, R., & Pak, S. C. (2020): Vitex Agnus-Castus for the Treatment of Cyclic Mastalgia: A Systematic Review and Meta-Analysis. Journal of women’s health (2002), 29(2), 262–278. https://doi.org/10.1089/jwh.2019.7770
  1. Wuttke, W., Jarry, H., Christoffel, V., Spengler, B., & Seidlová-Wuttke, D. (2003): Chaste tree (Vitex agnus-castus)–pharmacology and clinical indications. Phytomedicine : international journal of phytotherapy and phytopharmacology, 10(4), 348–357. https://doi.org/10.1078/094471103322004866
  1. Santel, Marlene (2025): Mönchspfeffer: Wirkung auf Periode, PMS und Wechseljahre. In: https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Moenchspfeffer-Wirkung-auf-Periode-PMS-und-Wechseljahre,moenchspfeffer100.html
  1. D.E. Webster, J.Lu, S.-N.Chen, N.R. Farnsworth, Z.Jim Wang: Activation of the μ-opiate receptor by Vitex agnus-castus methanol extracts: Implication for its use in PMS, Journal of Ethnopharmacology. Band 106, Nr. 2, 2006, S. 216-221
  1. D.E. Webster, Y.He, S.N. Chen, G.F. Pauli, N.R. Farnsworth, Z.J. Wang: Opioidergic mechanisms underlying the actions of Vitex agnus-castus L., Biochemical Pharmacology, Band 81, Nr. 1, 1. Januar 2011, D. 170-177
  1. European Medicines Agency (EMA), Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) (2017): Assessment report on Vitex agnus-castus L., fructus. EMA/HMPC/606741/2017. https://www.ema.europa.eu/en/documents/herbal-report/final-assessment-report-vitex-agnus-castus-l-fructus_en.pdf
  1. AWMF online (2020): S3-Leitlinie: Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen. In:https://register.awmf.org/assets/guidelines/015-062l_S3_HT_Peri-Postmenopause-Diagnostik-Interventionen_2021-01.pdf
  1. Naseri, M., Ozgoli, G., Garshasbi, M., Hamzehgardeshi, Z. (2019): Comparison of Vitex agnus-castus Extracts with Placebo in Reducing Menopausal Symptoms: A Randomized Double-Blind Study. In: Korean J Fam Med. 2019 Nov;40(6):362-367. doi: 10.4082/kjfm.18.0067. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31569916/
  1. van Die, M.D., Burger, H.G., Teede, H.J., Bone, K.M. (2013): Vitex agnus-castus Extracts for Female Reproductive Disorders: A Systematic Review of Clinical Trials. In: Planta Med. 2013 May;79(7):562-75. doi: 10.1055/s-0032-1327831. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23136064/

Mitwirkende Autor:innen

  • Mirja Tiedemann ist Krankenschwester und Ethnologin. Seit 2019 vereint sie ihre beiden Berufe indem sie wissenschaftlich fundierte Texte für digitale Gesundheits-Apps schreibt, unter anderem für das zanadio Magazin. Neben ihrer selbstständigen Tätigkeit als Texterin arbeitet Mirja im Sommer als Schäferin auf einer Alp und ist als digitale Nomadin unterwegs.

  • Anna ist Diätassistentin/Ernährungstherapeutin (B.Sc. Diätetik). Seit 2021 ist sie Teil von Sidekick – zunächst als direkte Ansprechpartnerin zur Unterstützung von Menschen mit Adipositas, heute als Verstärkung des Content-Teams für die Programme zanadio und MENO!. Als Mitglied im Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e.V. (VDD) engagiert sie sich für eine starke ernährungstherapeutische Versorgung. In ihrer Freizeit trifft man sie oft sportlich unterwegs oder in der Küche – denn Kochen zählt zu ihren großen Leidenschaften.

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